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der "Flüchtlingshilfe KAHINA, c/o Infobüro Leipzig, Tel.:0341-2119322"
16.3.96
betrifft: Kurden Demonstration in Dortmund
Reiseverbot für Ausländer?
Im Zusammenhang mit der Demonstration von Kurden in der Dortmunder Innenstadt kam es auf dem Hauftbahnhof von Kassel zu einem Zwischenfall, von dem uns ein Kurde aus dem Irak, der auf dem Weg von Leipzig nach Mannheim war berichtete.
Als die Regionalbahn von Halle in Kassel einfuhr, behinderte ein massives Polizeiaufgebot alle Personen, die dem Augenschein(!) nach Ausländer waren, am Verlassen des Zuges. Nachdem alle augenscheinlich Deutschen den Zug verlassen hatten, betrat die mit Schlagstöcken und Schußwaffen ausgerüstete Polizei den Zug und erklärte den in den Waggons gebliebenen Ausländer, daß sie wegen der Demonstration in Dortmund und aus Gründen der Sicherheit nicht weiterreisen könnten.
Der Protest von Pakistanis, die ihre Papiere vorzeigten und versicherten, nicht nach Dortmund zu wollen, blieb zwecklos. Probleme hatte auch ein Paar aus Irakisch Kurdistan. der Ehemann, ein hellhaariger und blauäugiger Mann, hatte vorerst den Zug verlassen können. Nachdem die Polizei seine dunkelhaarige Ehefrau am aussteigen hinderte, mußte sich der Mann entschließen wieder in den Wagen einzusteigen. Auch ein Mann, der versicherte, in Kassel aussteigen und jemanden besuchen zu wollen, mußte im Zug sitzen bleiben. Unter den Ausländern waren Bürger aus afrikanischen und arabischen Ländern, Pakistanis, Albaner, Kurden aus der Türkei und dem Irak.
Der Kurde aus dem Irak mit dem KAHINA sprach, war auf dem Weg nach Mannheim zu einer Sitzung seiner Exilorganisation. Im Anschluß an diese Sitzung sollte eine Gedenkfeierlichkeit anläßlich des 8. Jahestages von Halhabca stattfinden. In Halhabca starben am 16.3.1988 bei heftigen Bombardements mit chemischen Waffen, die mit Hilfe bundesdeutschen know- hows hergestellt worden waren ca. 5000 Menschen.
Die Ausländer mußten in zwei Wagen zusammenrücken, und unter polizeilicher Bewachung in verrigeltem Wagen von Kassel wieder in Richtung Nordhausen zurückfahren. Erst an der dritten statio erlaubte die Polizei einer Gruppe von Albanern, den Zug zu verlassen. Nach diesem Stopp wurde es den Ausländern auch wieder gestattet, auf die Toilette zu gehen. Deutsche, die die besonderen Abteile für Ausländer betreten wollten, wurden in andere Waggons verwiesen. Als der Zug wieder in Halle eintraf, erwarteten wiederum Polizeieinheiten mit Hundestaffel "die Ausländer".
Mehrfache Freiheitsberaubung und Nötigung an Personen, die allein wegen ihres Aussehens zu Ausländern stigmatisiert wurden, kann nicht ohne Folgen für die Veranzwortlichen bleiben. Wir fragen: Wer ist für die oben beschriebene Selektionspraxis verantwortlich?
Welche genauen Anweisungen hatten die Polizeibeamten erhalten?
Wenn in Kassel augenscheinlich "Deutsche" von "Nicht-Deutschen" getrennt
werden, zeigtdas, daß die nationalsozialistische Vergangenheit in diesem
Staat immer noch nicht bewältigt wurde.