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Aus: Brüche - linke Zeitung aus Kassel - Nr 27 / Juli '96



2 Tote im Knast Wehlheiden Kassel

In der Nacht zum Pfingstsonntag starben zwei algerische U-Häftlinge bei einem Brand im Krankenhaus der JVA Wehlheiden. Für die Anstaltsleitung war schon am Sonntagmorgen die Sachlage eindeutig geklärt: Selbstmord. Der Brand wäre in der Krankenhauszelle ausgebrochen, deren Tür noch dazu verbarrikadiert war. Deshalb kam jede Hilfe zu spät, obwohl die Feuerwehr sehr schnell zur Stelle gewesen wäre.

Ein deutsches reflexartiges Erklärungsmuster. Die Verlautbarung der Anstaltsleitung reiht sich nahtlos an Ereignisse, wie in Stuttgart(16.3.94), Erbendorf(30.6.93), Hattingen - und nicht zuletzt Lübeck (nähere Informationen zu diesen Anschlägen: Off Limits 14, S. 46-48: Ohnmacht, Trauer, Wut 1996).

Wenn irgendwo in Deutschland AusländerInnen bei Bränden sterben, so hören wir in den nächsten Tagen von Selbstmord, zumindest hätten sie selbst Feuer gelegt. Im März mußte eine Türkin vom Vorwurf, sie hätte Feuer im Haus gelegt, indem sie mit ihren fünf Kindern schlief, freigesprochen werden. In Lübeck wird der bis jetzt als Täter beschuldigte Bewohner der abgebrannten Flüchtlingsunterkunft nach jetzigen Stand aus der U-Haft entlassen werden müssen.

Und auch in Kassel gibt es inzwischen so viele Ungereimtheiten, die die so sicher vorgetragene Erklärung der Anstaltsleitung erheblich in Frage stellt.

So ist bekannt geworden, daß...

Fragen über Fragen tauchen auf. Und dies ist nur eine kleiner Einblick hinter die stacheldrahtgekrönten Mauern der JVA-Wehlheiden. Bis heute wird ein Selbstmord eines Nigerianers auf der gleichen Krankenstation dementiert. Beruhigungszelle, Schläge, rassistische Sprüche, miserabelste Zustände in den Werkstätten, Verweigerung von Entlassungsurlaub usw. kennzeichnen den Alltag in diesem total überfüllten Knast. "Leider können wir die zustehenden Kubikmeter Luft pro Gefangene nicht mehr garantieren", so Anstaltsleiter Geissler. Sprichts und läßt es aussitzen. Nicht in Chile, nicht in der Türkei, nein mitten in Kassel ist das Realität - in Hessen mit einem grünen Justizminister.

'Elwe'-Prozeßbeobachtungsgruppe


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