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Kein Mensch ist illegal - Eine bundesweite Initiative Initiative-Logo

Ihr sollt wissen, daß kein Mensch illegal ist. Das ist ein Widerspruch in sich.
Menschen können schön sein oder noch schöner. Sie können gerecht sein oder ungerecht.
Aber illegal? Wie kann ein Mensch illegal sein?"
(Elie Wiesel)

Das BARI ist eine von vielen Gruppen, die seit Juli 97 an der Initiative Kein Mensch ist illegal arbeiten.
Ziel dieser Initiative ist die politische und praktische Unterstützung illegalisierter MigrantInnen.

aufruf die erstunterzeichnerInnen was will kein mensch ist illegal warum kein mensch ist illegal illegalität wird produziert mitmachen kontakt




AUFRUF



pressure


MigrantInnen und Flüchtlinge sind in Europa unerwünscht. Nachdem es für sie nahezu unmöglich ist,auf legalem Weg hierher zu fliehen, einzureisen oder einzuwandern, ist die Überschreitung der Staatsgrenzen nur noch "illegal" möglich und nicht selten mit tödlichen Gefahren verbunden.

"Illegal" wird, wer bleibt, obwohl der Aufenthalt nicht mehr erlaubt, gestattet oder geduldet ist. Systematisch werden die verbliebenen Einreise- und Aufenthaltsmöglichkeiten reduziert. So wird eine immer größere Zahl von Menschen in die Illegalität gezwungen.

Grenzen trennen nicht mehr nur Territorien, Grenzen trennen Menschen. Grenzen verlaufen überall: im Sozialamt wie auf dem Bahnhof, in der Innenstadt wie an der Staatsgrenze.Die Grenze ist überall, wo Menschen befürchten müssen, nach Papieren gefragt zu werden.

In entrechtetem, ungesichertem oder illegalisiertem Status zu leben, bedeutet die ständige Angst vor Denunziation und Erpressung, weil die Entdeckung Bestrafung, Abschiebehaft oder die sofortige Abschiebung zur Folge hat. Es bedeutet völlige Schutz- und Rechtlosigkeit gegenüber Behörden, Arbeitgebern und Vermietern, aber auch im Falle von Krankheiten, Unfällen oder Übergriffen. Es bedeutet auch, soziale Kontakte fürchten zu müssen. Kinder können keine Schule und keinen Kindergarten besuchen, Jugendliche keine Ausbildung anfangen. Es bedeutet, ständig auf der Hut zu sein.

Im Kampf gegen Rassismus wird es immer wichtiger, MigrantInnen in ihren Kämpfen gegen Illegalisierung und für ihr Recht, überhaupt Rechte zu haben, politisch und praktisch zu unterstützen.

Jeder Mensch hat das Recht, selbst zu entscheiden, wo und wie er leben will.

Der Regulierung von Migration und der systematischen Verweigerung von Rechten steht die Forderung nach Gleichheit in allen sozialen und politischen Belangen entgegen, nach der Respektierung der Menschenrechte jeder Person unabhängig von Herkunft und Papieren.
Deshalb rufen wir dazu auf, MigrantInnen bei der Ein- oder Weiterreise zu unterstützen.
Wir rufen dazu auf, MigrantInnen Arbeit und Papiere zu verschaffen.
Wir rufen dazu auf, Migrantlnnen medizinische Versorgung, Schule und Ausbildung, Unterkunft und materielles Überleben zu gewährleisten.

Denn kein Mensch ist illegal.

ErstunterzeichnerInnen bis 15.08.97

Forschungsgesellschaft Flucht und Migration, Berlin; Antirassistische Gruppe Für Freies Fluten (AG3F), Hanau; Flüchtlingsrat Bayern; Flüchtlingsrat Niedersachsen; Roma- Union Frankfurt e.V.; Kassler Aktion Zuflucht; Flüchtlingsrat Wiesbaden; Aktion Zuflucht, Stuttgart; Antirassistisches Bündnis, Stuttgart; BARI - Büro antirassistischer Initiativen, Kassel; Arbeitskreis Asyl, Oldenburg; AG Blinde Passagiere im Flüchtlingsrat Hamburg; [über die grenze], München; AG Hafen "Dritte Welt"; Autonomes Kulturzentrum, Hanau; Multikulturelles Zentrum, Trier; Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten (Hamburger Signal) e.V.; Evangelisches Ausländerpfarramt Göttingen; Anti-Rassismus Plenum Göttingen; Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V.; International Union of Students; Polnischer Sozialrat e.V., Berlin; Wasseraufbereitung Hannover; AStA Universitaet Hannover; Gruene Liste Stadtratsfraktion, Erlangen; AG AntiRa, Hannover; MONA-Internationale Frauenkontakt- und Beratungsstelle, Bochum; Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen, Hannover; Flüchtlingsrat Berlin ; SPD Ortsverein Göttingen Südstadt; Zukunftswerkstatt e.V., Göttingen; Institut für angewandte Kulturforschung e.V., Göttingen; Arbeitskreis Asyl, Cuxhaven; Asyl e.V., Hildesheim; Arbeitskreis Asyl Friedrichsdorf; Anti-Expo AG, Hannover; DGB Ortskartell, Eisenach; GewerkschafterInnen gegen Faschismus und Rassismus, Eisenach; International Cultur und Information für Frauen, (INCI), Hamburg; Netzwerk - Flüchtlingshilfe und Menschenrechte e.V., Hannover; autonome a.f.r.i.k.a. gruppe; 1992 - Verein für internationale Geschichte und Politik e.V., München; Matrax - Projekt für selbstbestimmte Kultur, Hanau; Kinderladen Rödelheim; Geschichtswerkstatt Göttingen e.V.; Autonomes FrauenLesbenKollektiv Hannover; FAU Hannover; Antifa Cafe Kassel; Ermittlungsausschuß, Hannover; Medien- und Dokumentationszentrum El Salvador (MES) e.V.; AG AFD (Asyl für Deserteure) innerhalb der Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär, Berlin; Prison Watch International; Niedersächsisch-Kurdische Initiative, Hannover; agisra e.V, Frankfurt; Sprengel Antifa, Hannover; Kooperative Flüchtlingssolidarität, Hannover; VAMOS - Verein für entwicklungspolitische Bildung, Information und Kulturarbeit e.V.; DFG-VK, München; Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband München-Ost; Göttinger Projekt Zuflucht; Kolumbiengruppe e.V., Nürtingen; Verband für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungszusammenarbeit e.V.; Stadtratte München; Anti-Rassismus-Büro Bremen (ARAB); Asyl e.V. Hannover, Asylkoordination Schweiz, Autonome Antifa Hanau, DFG-VK Landesverband Hessen, Initiative gegen Abschiebehaft Berlin , Institut für angewandte Kulturforschung e.V., Göttingen, Interkulturelle Neustädter Initiative, Fuhrpark Bremen ,Internationaler Menschenrechtsverein Bremen e.V., Internationales Kunstprojekt Feuchtzeiten" Bremen , Neue Hanauer Zeitung,Redaktion Radio Quer e.V., Mainz, AStA d. Evangelischen Fachhochschule Hannover; DFG-VK Offenbach; Fantifa Hannover; Flüchtlingsbetreuung nach dem Münchner Modell e.V., München; Hamburger Arbeitskreis Asyl e.V.; Nordelbischer Arbeitskreis Asyl in der Kirche, Hamburg; Referat Kirchlicher Weltdienst/Lateinamerika d.Nordelbischen Missionszentrums, Hamburg; und viele weitere Einzelpersonen

Für die Veröffentlichung des Aufrufs in Tageszeitungen bitten wir die UnterzeichnerInnen um Spenden (Gruppen und Organisationen mind. 50 DM, Einzelpersonen 20 DM). Bankverbindung siehe Kontaktadressen ALIGN="justify"

Was will KEIN MENSCH IST ILLEGAL?

Warum KEIN MENSCH IST ILLEGAL ?

Die Initiative Kein Mensch ist illegal ist eine Initiative des Bundesweiten Koordinationstreffens antirassistischer Gruppen. Am 29.06.97 wurde der Aufruf der Initiative im Rahmen einer Pressekonferenz auf der documenta X in Kassel der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der Blick nach Frankreich auf die Bewegung der "Sans" (sans papiers, sans logis, sans travail...ohne Papiere, ohne Wohnung, ohne Arbeit) deren beeindruckendster Teil die Organisierung der sans-papiers ist, war ein Anstoß für den Start einer politischen Initiative.

Illegalisierung von Menschen erweist sich als die effektivste Form sozialer Entrechtung im Kontext aktueller Deregulierungs-prozesse. Ein System der Hierarchisierung von Rechten, das sich in einer Sondergesetzgebung für MigrantInnen und dem vom Aufenthaltstitel abhängigen Zugang zu Rechten (Zugang zum Arbeitsmarkt, zu sozialen Leistungen, Gesundheitsversorgung, Ausbildung, Wahlrecht, ...) ausdrückt, findet hier in der Verweigerung von jeglichen Rechten seine Zuspitzung. Der Verweigerung von Rechten soll die Forderung nach einem Recht auf Rechte entgegengestellt werden.

KEIN MENSCH IST ILLEGAL Illegalität wird produziert

MigrantInnen in entrechtetem, ungesichertem oder illegalisiertem Status gehören in allen Ländern Westeuropas zur gesellschaftlichen Realität. Mit der Abschottung Europas nach außen wurden die Asyl- und Ausländergesetze weiter verschärft.
Menschen werden systematisch zu Illegalen gemacht :

  • Den meisten Nicht-EU-MigrantInnen und Flüchtlingen wird die legale Einreise in die BRD verweigert (Drittstaatenregelung, rechtsfreie Zonen auf Flughäfen); kommen sie dennoch über die Grenzen, gelten sie als illegal.
  • Asylanträge werden zu 80-90% abgelehnt (auf Ablehnung orientierte Verfahren, Nichtanerkennung von Fluchtgründen...); wenn sich die Betroffenen der Abschiebung entziehen, werden sie zu Illegalen.
  • Erteilte Visa und Aufenthaltstitel sind an einen definierten Zweck und eine festgelegte Dauer gebunden. Überschreiten Nicht-EU-StudentInnen ihre Studienzeiten, lassen sich MigrantInnen von deutschen EhepartnerInnen scheiden oder werden "SaisonarbeiterInnen" auf dem legalen Arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht, werden sie zu Illegalen.


    mitmachen

    Die Initiative Kein Mensch ist illegal sucht UnterstützerInnen:

    • UnterzeichnerInnen für die Veröffentlichung des Aufrufs in mehreren Tageszeitungen
    • Aktive UnterstützerInnen, die Illegalisierte konkret und praktisch unterstützen wollen
    • ÄrztInnen und RechtsanwältInnen, die ihr Wissen Illegalisierten kostenlos zur Verfügung stellen
    • Kreative, die die Initiative mit eigenen Ideen und Aktionsvorschlägen unterstützen


    KONTAKT
    Die Initiative arbeitet dezentral, weil neben den überregionalen Aktivitäten, die lokale Arbeit im Vordergrund stehen soll. Menschen und Gruppen, die die Initiative unterstützen und mitarbeiten wollen, können sich an die folgenden Adressen wenden. Wir informieren Sie/Euch gern über lokale Gruppen in Ihrer/Eurer Nähe.

    Initiative Kein Mensch ist illegal
    c/o FFM
    Gneisenaustr. 2a
    10961 Berlin
    telefon:
    0172- 8910825 (Di. 18-21 Uhr, sonst AB)
    fax:
    0561-713458 ( BARI Kassel )
    email:
    grenze@ibu.de [über die grenze] München
    Bankverbindung: Forschungsgesellschaft Flucht und Migration e.V.
    Stichwort Kein Mensch ist illegal
    Kto.-Nr. 61 00 24 264
    BLZ 100 500 00

    Die Webseiten der Initiative Kein Mensch ist illegal informieren über den aktuellen Stand er Kampagne und enthalten weitere Informationen.